Die ersten Tage waren richtig schön und habe sie sehr genossen, aber dann war meine Mutter der Meinung, ich solle dort unten eine Ausbildung machen und das Abitur nebenher in der Abendschule. Es war ein ewiges hin und her. Mag sein, dass andere das locker hinbekommen, aber ich konzentriere mich lieber zu 100% auf eine Sache und mache die gut und nicht mehreres parallel und im schlimmsten Fall geht beides in die Hose.
Doch leider hatte meine Mutter dafür kein Verständnis.
Dann wurden Bedingungen aufgestellt. Mein Mann darf nicht vorbei kommen und ich darf ihn an Wochenenden nicht besuchen fahren, während der ganzen Abiturzeit.
Es wurde immer schlimmer, wir hatten uns nur noch gezofft und meine Mutter bestand darauf, dass ich eine Ausbildung mache und diesmal sollte ich mir das Abitur aus dem Kopf schlagen.
An einem Samstag sollte ich mit meinem Stiefvater einkaufen fahren. Als er plötzlich in die völlig andere Richtung fuhr und wir immer tiefer ins Industriegebiet kamen, wurde mir schon etwas mumlig. Er hat mir dann seine Firma gezeigt und immer wieder betont, wie überfordet seine Sekretärin alleine doch wäre und er überlege, ob er einen Azubi einstellen solle.
Nach dem wir daheim angekommen waren, habe ich meine Sachen gepackt und bin ohne ein Wort des Abschieds wieder heim zu meinem Mann (zu der Zeit waren wir noch nicht verheiratet) gefahren. Ich hatte mich so hintergangen gefühlt.
Die Jahre darauf herrschte Funkstille. Ehrlich gesagt hatte ich mich auch gar nicht getraut, mich bei meiner Mutter zu melden, weil ich der Meinung war, sie wäre zu tiefst von mir enttäuscht. Als ich jedoch letztes Jahr schwanger wurde, habe ich ihr keine Karte geschickt und ihr mitgeteilt, dass sie Oma wird.
Kurz darauf haben wir sie dann besucht, es war auch anfangs etwas seltsam, aber es wurde immer besser.
Im letzten Sommer sind wir mit Enkelchen zu ihnen gefahren und habe meine Mutter weinend, im Garten sitzen sehen. Sie hat mir dann erzählt, dass sie so wahnsinnig stolz auf mich ist, weil ich mich ihr widersetzt habe und zurück zu meinem Mann bin. (Mein Vater hätte das eher als Befehlsverweigerung bezeichnet)
Das ganze Theater war (quasi) eine Prüfung gewesen und ich habe mich nicht für Beruf/Karriere, sondern für Familie entschieden.
Nach allem was er für mich bereits getan hatte, hätte ich ihn nicht einfach so verlassen können, denn das war es, was meine Mutter wirklich gefordert hatte. Meine Stiefmutter hatte uns immer wieder eingetrichtert, mit Abitur hat man bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und das ist alles was zählt. Aber das trifft ja mittlerweile auch nicht mehr zu.
Nur für einen besseren Bildungsabschluss seinen Partner verlassen? In meinen Augen war es absurd! Ohne ihn, hätte ich mir schon längst das Leben genommen. Er hat mir geholfen der Mensch zu werden, den ich sein wollte. Abitur garantiert kein besseres Leben, glücklich macht es nicht und es tröstet einen auch nicht.
Mir ist egal wie es beruflich die nächsten Jahre mit mir weiter geht, denn ich habe einen starken Mann an meiner Seite, der mich so akzeptiert wie ich bin und der mit mir gemeinsam durch jede neue Tür schreitet, die sich für uns öffnen wird.
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